Größenberatung im Chat: Retouren vorab vermeiden
Größe und Passform vor dem Kauf klären: wie ein Assistent aus Größentabelle, Variantenmaßen und einem vom Kunden genannten Vergleichsstück berät, statt zu schätzen. Mit Messpunkten.
In einfacher Sprache
Die Frage nach der Größe kommt, wenn jemand kaufen will. Grundlage ist die Tabelle des Herstellers. Gleiche Größen haben je nach Hersteller andere Maße. Der Assistent fragt nach Maßen, einem Stück zum Vergleich und wie es sitzen soll. Gut hilft der Vergleich mit einem Artikel, den der Kunde schon hat. Fehlt ein Maß, soll der Assistent nicht raten. Hinweise zur Passform gehören in die Daten zum Produkt. Eine feste Zahl an Rücksendungen lässt sich nicht zusagen.
Ein Pullover lässt sich online nicht anprobieren. Was im Ladengeschäft zwei Minuten in der Kabine klärt, entscheidet sich beim Onlinekauf erst, wenn das Paket geöffnet ist, und dann trägt der Händler die Folgen. Größe und Passform sind deshalb ein häufiger Rücksendegrund, und anders als ein Transportschaden lässt sich dieser Grund vor dem Kauf ausräumen: Die Angaben liegen fast immer vor, nur nicht dort, wo gerade gelesen wird. Sie stehen in der Größentabelle des Herstellers, in den Maßen der Variante, im Materialhinweis, manchmal bei einem Artikel, den derselbe Kunde schon gekauft hat. Ein Chat-Assistent kann diese Angaben im entscheidenden Moment zusammenführen, aber nur unter einer Bedingung: Er muss aus der hinterlegten Tabelle lesen statt aus dem, was für ein Kleidungsstück üblich klingt. Dieser Beitrag zeigt, welche Daten dafür nötig sind, wie der Vergleich mit einem bereits gekauften Artikel funktioniert, was bei fehlenden Maßen zu tun ist und wo die Grenze zwischen einem Passformhinweis und einer Zusage verläuft.
Beschriftungen der Abbildung
- Shop-Chat auf der Produktseite
- Ich trage sonst L. Passt das hier?
- Größe L misst hier 106 cm Brustweite.
- Die Serie fällt laut Katalog schmal aus.
- Bei breiten Schultern eher XL nehmen.
- Zum Vergleich: Ihre Regenjacke in L?
- Die Regenjacke misst in L 110 cm.
- Dieses Modell fällt 4 cm enger aus.
- Für denselben Sitz passt hier XL.
- Aus der Größentabelle gelesen
- Maße genannt, keine Zusage zur Passform
- Nachricht schreiben
- Woraus die Empfehlung entsteht
- Größentabelle des Herstellers je Serie
- Maße der Variante: Brust, Bund, Länge
- Material, Elasthananteil und Schnitt
- Passformhinweis als gepflegtes Feld
- Vergleichsartikel, den der Kunde nennt
- Fehlt ein Maß, benennt der Assistent die Lücke.
- Zwei Wege, dieselbe Frage
- Geschätzt
- L ist meistens eine 40
- Zwei Größen bestellt
- Eine geht zurück
- Der Fall kostet zweimal
- Aus der Tabelle
- Maß statt Faustregel
- Vergleich zum eigenen Stück
- Lücke wird benannt
- Die Auskunft hält im Alltag
- Die Größe vor dem Kauf klären, statt die Retoure danach abwickeln
Warum die Größe erst nach der Lieferung auffällt
Bei fast jeder anderen Produkteigenschaft kann der Kunde vor dem Kauf prüfen, ob sie stimmt. Farbe, Ausstattung, Anschluss, Lieferumfang stehen auf der Seite und lassen sich mit dem eigenen Bedarf abgleichen. Die Passform nicht: Sie zeigt sich erst am Körper und damit erst nach Versand, Zustellung und Auspacken. Zwischen der Entscheidung und ihrer Überprüfung liegen also mehrere Tage und die komplette Kostenkette einer Bestellung. Genau das macht die Größe zu einem teuren Sonderfall: Der Fehler entsteht im Warenkorb, bemerkt wird er im Wohnzimmer, und bezahlt wird er im Retourenlager.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Größenbezeichnung selbst wenig aussagt. Eine Konfektionsgröße ist keine verbindliche Norm, sondern eine Hausangabe: Dieselbe Bezeichnung steht bei zwei Herstellern, bei zwei Serien desselben Hauses und in zwei Ländern für unterschiedliche Maße. Bei Schuhen kommt die Umrechnung zwischen Längenmaß und Größensystem hinzu, bei Hosen die Kombination aus Bundweite und Schrittlänge, bei Oberbekleidung der Schnitt. Wer im Shop nur die Buchstaben oder Zahlen liest, vergleicht damit Angaben, die nicht vergleichbar sind. Der Kunde merkt das und weicht auf die Methode aus, die immer funktioniert: Er bestellt zwei Größen.
Die Größentabelle des Herstellers als Grundlage
Damit eine Größenauskunft belastbar wird, braucht der Assistent Lesezugriff auf die Stellen, an denen der Shop seine Maße führt. Das sind in der Regel die Größentabelle je Hersteller und Serie, die Variantenmaße am Artikel, die Materialangaben mit Elasthananteil und der Schnitt. Dazu kommen Angaben, die im Alltag oft übersehen werden: die Modellmaße aus der Bildunterschrift, der Pflegehinweis zum Einlaufen und die Umrechnungstabelle zwischen den Ländergrößen des Herstellers. Für Shopware in der frei verfügbaren Community Edition übernimmt der Assistent Artikel, Varianten und Beschreibung aus dem Shop; Größentabellen und Maße, die dort nicht stehen, werden als Unterlage in der Wissensbasis hinterlegt. Welche Angaben ein Assistent im Shop auswerten kann, ordnet die Seite zum Shop-Assistenten ein; welche Aktionen freigegeben sind, legt die Tool-Steuerung fest.
- Größentabelle je Hersteller und Serie, in der Fassung, die auch auf der Produktseite steht
- Maße der einzelnen Variante: Brustweite, Bundweite, Innenbeinlänge, Ärmellänge, Sohlenlänge
- Material, Elasthananteil und Webart, weil ein dehnbarer Stoff eine andere Toleranz hat als ein fester
- Schnitt und Passform als gepflegtes Feld, etwa schmal, gerade oder weit geschnitten
- Modellmaße aus der Produktabbildung, damit der Bildeindruck einen Bezugspunkt bekommt
- Umrechnung zwischen den Ländergrößen des Herstellers statt einer allgemeinen Tabelle aus dem Netz
Was sich nicht aus dem System lesen lässt, gehört in die gepflegte Wissensbasis: bekannte Abweichungen einzelner Serien, Rückmeldungen aus dem Kundendienst, die Erfahrung, dass ein bestimmtes Modell nach der ersten Wäsche kürzer wird. Entscheidend ist, dass es dafür einen Besitzer und einen Takt gibt, sonst veraltet dieser Text schneller als der Katalog. Wie ein solcher Pflegeprozess aussieht, beschreibt der Beitrag Wissensbasis aufbauen: welche Inhalte hineingehören. Die Trennung ist bewusst: Maße kommen aus dem Katalog, Erfahrungen und Ausnahmen aus der Wissensbasis, und beides wird getrennt geprüft.
Eine Tabelle schlägt eine Faustregel
Ein Assistent, der antwortet „L entspricht meistens einer 40“, gibt eine Faustregel wieder, die niemand hinterlegt hat. Ein Assistent, der antwortet „Größe L misst in dieser Serie 106 cm Brustweite“, gibt die Angabe wieder, die der Hersteller selbst gemacht hat. Der zweite Satz ist länger, weniger griffig und im Streitfall belegbar. Nur er gehört in den Chat.
Vom Wunsch zur Maßangabe: wie das Gespräch führt
Kunden beschreiben ihr Ziel nicht in Zentimetern. Sie sagen „ich trage sonst L“, „ich habe breite Schultern“ oder „es soll locker sitzen“. Ein Assistent, der daraus sofort eine Größe ableitet, hat geraten. Der tragfähige Weg führt über einen Bezugspunkt: entweder ein Körpermaß, das der Kunde nachmessen kann, oder ein Kleidungsstück, das ihm passt und dessen Maße bekannt sind. Erst mit einem solchen Bezugspunkt wird aus der Größentabelle eine Aussage über diesen einen Fall. Die Reihenfolge ist damit vorgegeben: erst den Bezug klären, dann die Tabelle anlegen, dann das Ergebnis mit dem Maß begründen.
- Bezugspunkt klären – welches Maß oder welches Vergleichsstück steht zur Verfügung?
- Trageweise erfragen – soll das Teil eng anliegen, gerade sitzen oder darüber getragen werden?
- An die Tabelle anlegen – das genannte Maß gegen die hinterlegten Werte der Variante halten.
- Ergebnis begründen – die Größe mit dem Maß nennen, nicht nur den Buchstaben.
- Grenzfall benennen – liegt das Maß zwischen zwei Größen, gehört das gesagt, nicht geglättet.
Zwei bis drei Rückfragen genügen dafür. Mehr wirkt wie ein Verhör und kostet genau die Geduld, die kurz vor dem Kauf am knappsten ist. Dazu gehört auch, nur zu fragen, was für die Empfehlung nötig ist: Für eine Größenauskunft reicht ein Maß in Zentimetern, das Körpergewicht ist dafür kein Ersatz und hat im Gespräch nichts verloren. Wie ein Beratungsdialog aufgebaut wird, der eingrenzt statt auszufragen, zeigt der Beitrag Kaufberatung im Chat: den passenden Artikel finden. Kann der Kunde ein Etikett oder ein Maßband fotografieren, lässt sich der Bezugspunkt auch darüber aufnehmen; der Beitrag Bild-Upload im KI-Chat beschreibt, was dabei zu beachten ist.
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Körpermaß
Brust-, Bund- oder Fußlänge in Zentimetern ist der einzige Wert, der sich gegen die Tabelle rechnen lässt.
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Vergleichsstück
Ein Teil, das gut sitzt, ersetzt das Maßband, wenn seine Maße im Katalog stehen.
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Trageweise
Eng, gerade oder über einem Pullover: Dieselbe Person braucht je nach Anlass eine andere Größe.
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Material
Ein Stoff mit Elasthan verzeiht wenige Zentimeter, ein fester Webstoff nicht. Der Anteil steht am Artikel.
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Zwischengröße
Liegt das Maß zwischen zwei Größen, nennt der Assistent beide Folgen statt nur eine Empfehlung.
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Serienabweichung
Ist für eine Serie eine Abweichung hinterlegt, gehört sie in die Antwort, nicht in eine Fußnote.
Der Vergleich mit einem bereits gekauften Artikel
Die belastbarste Größenauskunft, die ein Shop geben kann, ist kein Ratschlag, sondern eine Gegenüberstellung: Der Artikel, den der Kunde bereits besitzt und trägt, wird neben den Artikel gelegt, über den er gerade nachdenkt. Beide Maßsätze stehen im Katalog, die Differenz ist eine Rechenaufgabe. Aus „passt mir L?“ wird damit ein Satz, den niemand mehr auslegen muss: „Die Jacke, die Sie genannt haben, misst 110 cm Brustweite in Größe L; dieses Modell misst in L 106 cm und fällt damit vier Zentimeter enger aus.“ Der Kunde entscheidet daraufhin selbst, und er entscheidet auf einer Grundlage, die er kennt, weil das Vergleichsstück in seinem Schrank hängt.
Voraussetzung dafür sind zwei Dinge, und beide müssen zusammenkommen: Der Kunde nennt den Artikel, den er besitzt, und an beiden Artikeln stehen Maße im Katalog. Auf frühere Bestellungen greift der Assistent nicht zurück, und eine im Chat genannte Mailadresse öffnet sie auch nicht. Fehlen die Maße am älteren Artikel, weil er ausgelistet oder nie vollständig gepflegt wurde, bleibt nur der Weg über ein Maß, das der Kunde selbst nimmt. Wie eine Beratung im Chat zum passenden Artikel führt, beschreibt der Beitrag zur Kaufberatung im Chat; die Rahmenbedingungen zu Verarbeitung und Hosting stehen unter Datenschutz und Hosting.
| Fall beim Vergleich | Was der Shop meist zeigt | Was der Assistent sagen kann |
|---|---|---|
| Gleicher Hersteller, gleiche Serie | Zwei Produktseiten mit derselben Größentabelle | Bestätigt die gewohnte Größe und nennt das Maß, das beide Artikel teilen |
| Anderer Hersteller | Zwei Tabellen, die der Kunde selbst vergleichen müsste | Rechnet die Differenz aus und nennt die Größe, die dem gewohnten Sitz entspricht |
| Anderes Material | Eine Materialangabe ohne Bezug zur Passform | Weist darauf hin, dass ein fester Stoff weniger Spielraum lässt als ein dehnbarer |
| Anderer Schnitt | Ein Hinweis wie schmal geschnitten ohne Maß | Nennt den Schnitt zusammen mit dem Unterschied in Zentimetern |
| Vergleichsartikel ohne Maße | Die alte Bestellung, aber keine verwertbare Angabe | Sagt, dass für diesen Artikel keine Maße hinterlegt sind, und fragt nach einem eigenen Maß |
Wenn Maße fehlen: die Lücke benennen
Kein Katalog ist vollständig gepflegt. In der Praxis gibt es drei Zustände: Maße liegen je Variante vor, es existiert nur eine Tabelle auf Serienebene, oder es steht nichts. Der Assistent muss diese drei Zustände unterscheiden können, denn nur der erste trägt eine konkrete Empfehlung. Fehlt die Grundlage, ist die einzige tragfähige Antwort die, die niemand gern gibt: Es ist nichts hinterlegt. In unserer eigenen Messreihe wurden 8 von 8 Fragen ohne Grundlage abgelehnt, statt geraten (XICBOT, eigene Messreihe vom 11.09.2026); geprüft wurden acht bewusst außerhalb der vorliegenden Unterlagen liegende Fragen, und der Wortlaut jeder Antwort steht in der Messdatei. Die Beispielfrage betraf nicht hinterlegte Kontaktdaten, das Verhalten bei einem nicht hinterlegten Maß ist dasselbe. Nachlesen lässt sich das unter Messreihen.
Damit endet das Gespräch aber nicht. Auch ohne Maß bleiben vier Wege offen, und sie sind in dieser Reihenfolge sinnvoll: die Maße eines vergleichbaren Artikels desselben Herstellers nennen, den Kunden um ein eigenes Maß bitten, an einen Mitarbeiter übergeben, der beim Hersteller nachfragt, oder auf das Widerrufsrecht hinweisen, das ohnehin gilt. Jeder dieser Wege ist ehrlich; ein geschätzter Zentimeterwert ist es nicht. Wie die Bindung an die eigenen Unterlagen technisch entsteht, beschreibt der Beitrag Halluzinationen vermeiden mit Wissensbasis und RAG.
Eine benannte Lücke ist tragfähiger als ein geschätztes Maß
Der Satz „für diesen Artikel sind keine Maße hinterlegt, ich hole das für Sie ein“ kostet einen Moment und hält. Ein geschätzter Wert kostet nichts und bricht bei der Anprobe. Jede Lücke, die so sichtbar wird, ist zugleich ein Auftrag an die Katalogpflege: Sie lässt sich zählen, einem Hersteller zuordnen und abarbeiten.
Passformhinweise kommen aus Produktdaten
„Fällt klein aus“ klingt nach einer Formulierung, ist aber eine Angabe über die Ware. Sie gehört deshalb behandelt wie jede andere Produktangabe: als Feld, das jemand pflegt, prüft und verantwortet. In der Praxis reicht ein kleines Vokabular, etwa fällt klein aus, normal, fällt groß aus, dazu ein Freitextfeld für die Begründung. Findet ein Sprachmodell dieses Feld nicht, füllt es die Lücke mit einer plausiblen Formulierung, und plausibel ist bei Kleidung fast alles. Der Unterschied zwischen einer belastbaren und einer erfundenen Passformangabe entscheidet sich also nicht im Assistenten, sondern in den Produktdaten.
| Formulierung im Chat | Warum sie kippt | Tragfähige Fassung |
|---|---|---|
| Das passt Ihnen bestimmt | Sagt eine Eigenschaft zu, die niemand geprüft hat | In Größe L misst das Modell 106 cm Brustweite laut Größentabelle |
| Nehmen Sie einfach eine Nummer größer | Eine Faustregel ohne Bezug zu dieser Serie | Diese Serie ist als schmal geschnitten hinterlegt, bei 104 cm Brustumfang passt eher XL |
| Das Material dehnt sich noch | Eine Vermutung über den Stoff ohne Materialangabe | Laut Materialangabe am Artikel enthält der Stoff Elasthan, ein fester Webstoff hätte den Spielraum nicht |
| Die meisten Kunden nehmen M | Eine Aussage über andere Bestellungen, nicht über diesen Fall | Für Ihr genanntes Maß liegt Größe M im Bereich der Tabelle, Größe L wäre weiter |
| Wenn es nicht passt, schicken Sie es zurück | Verschiebt die offene Frage, statt sie zu beantworten | Ich kann die Maße beider Größen nennen, damit Sie vor der Bestellung vergleichen |
Was rechtlich gilt, wenn im Chat beraten wird
Der Chat ist kein Nebenraum mit eigenen Regeln. Was dort über die Ware gesagt wird, ist eine Angabe über die Ware. Die vorvertraglichen Informationspflichten im Fernabsatz, darunter „die wesentlichen Eigenschaften der Waren“, stehen in Artikel 246a § 1 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche. Für die Bewertung falscher Angaben ist § 5 Absatz 2 Nummer 1 UWG einschlägig: Angaben über die wesentlichen Merkmale der Ware sind dort ausdrücklich erfasst, unwahre Angaben dazu gelten als irreführend. Ein erfundener Passformhinweis ist damit kein Stilfehler im Gesprächsverlauf, sondern eine Angabe, an der sich der Händler messen lassen muss.
Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage.
Dieses Widerrufsrecht besteht unabhängig von jeder Beratung. Eine Größenauskunft im Chat verkürzt keine Frist, ersetzt keine Widerrufsbelehrung und ändert nichts an den Pflichten des Händlers; sie verringert nur den Anlass, das Recht in Anspruch zu nehmen. Umgekehrt gilt: Der Gesprächsverlauf ist les- und speicherbar, auf beiden Seiten. Was der Assistent zu Maßen und Passform gesagt hat, kann ein Kunde später vorlegen. Deshalb gehört jede Zahl im Chat in dieselbe Prüfung wie jede Zahl auf der Produktseite. Diese Darstellung ersetzt keine Rechtsberatung; wie Reklamation und Gewährleistung im Gespräch sauber getrennt werden, behandelt der Beitrag Reklamation und Gewährleistung im Chat.
Vor dem Kauf klären statt danach abwickeln
Eine Größenfrage hat zwei mögliche Ausgänge, und sie kosten sehr unterschiedlich. Bleibt sie offen, endet sie im Abbruch oder in einer Auswahlbestellung mit eingeplanter Rücksendung. Im Durchschnitt aus fünfzig einzelnen Studien zum Warenkorbabbruch werden 70,22 % der Online-Warenkörbe abgebrochen (Baymard Institute, Stand 22.09.2025); nicht jeder dieser Abbrüche geht auf die Größe zurück, aber die Größenfrage ist eine der wenigen, die ein Gespräch in Sekunden beantworten kann. Wird sie dagegen vor dem Klick geklärt, entfällt die ganze Kette dahinter: Rückversand, Prüfung, Aufbereitung, Wiedereinlagerung und der Wertverlust bei getragener Ware.
Dabei gehört die ehrliche Einordnung dazu: Nicht jede Rücksendung lässt sich vermeiden, und eine Auswahlbestellung ist kein Fehlverhalten, sondern eine Reaktion auf fehlende Angaben. Beeinflussbar ist der Teil, der im eigenen Haus liegt, nämlich vollständige Maße, gepflegte Passformhinweise und ein Assistent, der beides im richtigen Moment vorliest statt zu schätzen. Wie der Moment im Warenkorb selbst genutzt wird, zeigt der Beitrag Warenkorbabbrüche im Chat zurückholen; was nach der Bestellung an Fragen folgt und wofür es eine Anbindung an die Warenwirtschaft braucht, behandelt der Beitrag Bestellstatus und Retouren im Shop. Den passenden Funktionsumfang für den Kaufmoment bündelt der Warenkorb-Assistent.
Was sich messen lässt und was nicht
Größenfragen lassen sich vergleichsweise sauber zählen, weil sie fast immer dieselben Begriffe enthalten: Größe, Maß, Passform, Nummer, eng, weit. Aus der Gesprächsanalyse lässt sich ablesen, wie oft danach gefragt wird, welcher Anteil davon aus der hinterlegten Tabelle beantwortet werden konnte und bei welchen Artikeln die Angabe fehlte. Häufen sich die Fragen bei einem Hersteller, fehlt dort meist eine Tabelle und nicht eine Fähigkeit des Assistenten. Damit wird die Auswertung zu einem Werkzeug für die Katalogpflege und nicht nur für den Chat; wie sich das im Alltag nutzen lässt, vertieft der Beitrag Gespräche auswerten und optimieren.
- Anteil der Gespräche, in denen Größe oder Passform überhaupt Thema werden
- Anteil davon, der aus der hinterlegten Tabelle beantwortet werden konnte
- Artikel und Hersteller ohne Maße, als Arbeitsliste für die Katalogpflege
- Fälle, in denen ein Vergleich mit einem bereits gekauften Artikel möglich war
- Übergaben an einen Mitarbeiter, getrennt nach Grund statt nur nach Anzahl
Nicht messbar ist die Rücksendung, die nicht stattgefunden hat, denn dafür fehlt die Vergleichsgruppe. Eine bestimmte Senkung der Retourenquote lässt sich deshalb nicht zusichern; sie hängt an Sortiment, Zielgruppe, Datenqualität und Saison. Was bleibt, ist eine sachliche Kette: vollständigere Maße, eine Antwort im entscheidenden Moment, eine benannte Lücke statt einer geschätzten Zahl und eine Übergabe an einen Menschen, sobald ein Fall aus dem Raster fällt. Wie diese Übergabe sauber gelingt, beschreibt der Beitrag KI-Assistent: Übergabe an Mitarbeiter; wie ein Assistent im Shop insgesamt arbeitet, zeigt die Seite Assistent für den Onlineshop.
Häufige Fragen
Woher nimmt der Assistent die Größenangaben?
Aus denselben Daten, die im Shop ohnehin gepflegt werden: der Größentabelle je Hersteller und Serie, den Maßen der einzelnen Variante, den Materialangaben mit Elasthananteil und dem hinterlegten Schnitt. Dazu kommen die Modellmaße aus der Produktabbildung und die Umrechnung zwischen den Ländergrößen des Herstellers. Für Shopware in der frei verfügbaren Community Edition übernimmt der Assistent Artikel, Varianten und Beschreibung aus dem Shop; Größentabellen und Maße, die dort nicht stehen, werden als Unterlage in der Wissensbasis hinterlegt. Der Assistent leitet keine Größen aus allgemeinen Tabellen ab, sondern gibt wieder, was am Artikel steht.
Was passiert, wenn für einen Artikel keine Maße hinterlegt sind?
Dann wird die Lücke benannt und nicht gefüllt. In unserer eigenen Messreihe wurden 8 von 8 Fragen ohne Grundlage abgelehnt, statt geraten (XICBOT, eigene Messreihe vom 11.09.2026); geprüft wurden acht bewusst außerhalb der Unterlagen liegende Fragen, der Wortlaut jeder Antwort steht in der Messdatei. Für die Größenberatung heißt das: Der Assistent nennt keine Zentimeterzahl, sondern sagt, dass nichts hinterlegt ist, und bietet einen der offenen Wege an, etwa ein eigenes Maß des Kunden oder die Übergabe an einen Mitarbeiter.
Kann der Assistent mit einem früher gekauften Artikel vergleichen?
Ja, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen: Der Kunde nennt den Artikel, den er besitzt, und für beide Artikel stehen Maße im Katalog. Dann legt der Assistent die beiden Maßsätze nebeneinander und nennt die Differenz in Zentimetern statt einer Empfehlung nach Gefühl. Fehlt eine der beiden Bedingungen, ist der Vergleich nicht möglich. Frühere Bestellungen liest der Assistent nicht, auch nicht über eine im Chat genannte Mailadresse oder Bestellnummer, weil sonst Auskunft über eine fremde Bestellung gegeben werden könnte.
Darf der Assistent sagen, dass ein Teil passt?
Nein. Passform hängt von Körperform, Trageweise und Geschmack ab und ist damit keine Eigenschaft der Ware, die ein Shop zusagen könnte. Der Assistent nennt Maße, Schnitt und hinterlegte Passformhinweise und überlässt den Schluss dem Kunden. Diese Grenze gehört als Regel in die Systemanweisung und als Testfall in die Abnahme vor dem Livegang. Braucht ein Kunde eine verbindliche Auskunft, ist die Übergabe an einen Mitarbeiter der richtige Weg.
Ersetzt eine gute Größenberatung das Widerrufsrecht?
Nein, und sie verändert es auch nicht. Die Widerrufsfrist beträgt nach § 355 Absatz 2 Satz 1 BGB 14 Tage, unabhängig davon, wie gut beraten wurde. Eine Größenauskunft ersetzt keine Widerrufsbelehrung und verkürzt keine Frist; sie verringert nur den Anlass, das Recht in Anspruch zu nehmen. Umgekehrt gilt: Angaben über die wesentlichen Merkmale der Ware sind von § 5 Absatz 2 Nummer 1 UWG erfasst, unwahre Angaben dazu gelten als irreführend. Diese Darstellung ersetzt keine Rechtsberatung.
Senkt eine Größenberatung im Chat die Retourenquote?
Eine bestimmte Quote lässt sich nicht zusichern, weil die Rücksendung, die nicht stattgefunden hat, sich nicht messen lässt: Es fehlt die Vergleichsgruppe. Beeinflussbar sind die Faktoren dahinter, und die sind zählbar: der Anteil der Größenfragen, die aus der hinterlegten Tabelle beantwortet werden konnten, die Artikel ohne Maße als Arbeitsliste für die Katalogpflege und die Fälle, in denen ein Vergleich mit einem bereits gekauften Artikel möglich war. Wer diese drei Zahlen verbessert, arbeitet an der Ursache vieler Rücksendungen.
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